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Pubertät: Zeit des Erwachens
 



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Die Pubertät ist ein schwieriger Lebensabschnitt für Eltern und Kinder. Die Welt steht Kopf, und aus sanften Wesen werden Rebellen.
 
Wissenschaftler haben die neuronalen Prozesse im Gehirn von Teenagern untersucht und sind zu interessanten Ergebnissen gekommen. Die Untersuchungen wurden mit bildgebenden Verfahren wie der Magnet-Resonanz-Tomographie (MRT) ohne Strahlenbelastung durchgeführt. Die Ergebnisse haben den emotionalen Ausnahmezustand der Jugendlichen bestätigt und das Verständnis der Entwicklungsphase Pubertät grundlegend verändert.

 


Wer bin ich? - Wenn Kinder in die Pubertät kommen
 

Im Alter von 11 bis 15 Jahren beginnt für Mädchen und Jungen die Pubertät - ein schwieriger Lebensabschnitt für Eltern und Kinder. Es ist eine Zeit der Provokationen. Die Abnabelung und Abgrenzung der Kinder von den Eltern sorgt für Aufregung und zerrt an allen Nerven.
 
Wutausbrüche und Geschrei, Emotionen und Depressionen, Aggressionen oder Funkstille gehören zu den Heraus-forderungen des Alltags, wenn die eigenen Kinder in die Pubertät kommen. Aber das alles ist normal auf dem Weg zu neuen Freiräumen und dem Entdecken eigener Grenzen. Oft sind die Eltern mit dem Verhalten ihrer Kinder völlig überfordert. Sie wollen die Fäden in der Hand behalten und müssen doch lernen loszulassen. Für beide Seiten ist diese Zeitspanne eine Gratwanderung zwischen Verzweiflung, Unverständnis, Toleranz und Vertrauen. Aber die Zeit der Pubertät geht vorbei.
 
In der Pubertät sind die Jugendlichen starken Gefühlsschwankungen ausgesetzt, hervorgerufen durch die Veränderungen im Hormonhaushalt. Bei Jungen ist es die Bildung von Testosteron, bei Mädchen Östrogen. Die hormonellen Umstellungen bringen das Leben so richtig durcheinander. Aus Mädchen werden Frauen. Die körperlichen Veränderungen sind deutlich und unaufhaltsam. Das Aussehen wird wichtig für die Suche nach der neuen Identität und die Zeit der prüfenden Blicke in den Spiegel beginnt. Die äußere Verwandlung ist dem Inneren noch nicht angepasst und bringt seelisches Durcheinander, Wut und Unsicherheit mit sich. Auch bei den "halbstarken" Jungs macht der Körper ungefragt, was er will. Zeichen von Männlichkeit kann es bei ihnen gar nicht genug geben. Aber die Stimme piepst und krächzt, und die Zeichen der Männlichkeit kommen nicht schnell genug. Der Wunsch, endlich herauszufinden, wer man ist, sich selbst auszuprobieren und Grenzen zu erleben, birgt Fehler, Enttäuschungen, aber auch positive Erfahrungen.
 
Es ist die Zeit der Rebellion. In der Pubertät erleben die jungen Wilden ihre Eltern peinlich und komisch. Die Kinder verhalten sich provokant und stellen die Erwachsenen vor eine Nervenprobe. Coolness durch Zigaretten und Alkohol, die ständige Suche nach dem Kick. Auf die Frage warum, folgt oft nur ein lässiges Schulterzucken. Mal sind sie Engel, mal verwandeln sie sich in kleine Monster. Oft ist ihr Verhalten außerhalb völlig normal, und nur zu Hause benehmen sie sich total daneben. Warum sie was tun, wissen die jungen Provokateure oft selbst nicht genau. Sie sind chaotisch auf ihrer Suche nach Lösungen. Meist finden die Jugendlichen schnell heraus, welchen roten Knopf sie bei ihren Eltern drücken müssen, damit die Stimmung explodiert. Wenn die Erwachsenen hier die Ruhe behalten und Verständnis zeigen würden, wäre viel gewonnen. Aber in solchen Momenten regiert das Chaos und Konflikte sind programmiert: Streit über Kleidung, Disco oder Alkohol. Für Jugendliche heute ist es zweifelsohne schwer, sich von der Erwachsenenwelt abzugrenzen.
 


Konfusion im Kopf - Was passiert mit Kindern während der Pubertät?
 

Wissenschaftler sind dem Phänomen auf der Spur, das das Leben von Teenagern und ihrer Eltern so radikal auf den Kopf stellt: der Pubertät. Wie sind die teilweise absonderlichen Verhaltensweisen von Jugendlichen zu bewerten? Sind sie nur Launen der Hormone, wie man bislang glaubte? Was passiert in diesem Lebensabschnitt im Gehirn, und wie lange dauern diese Prozesse? Forscher am Aachener Klinikum haben hunderte von Teenagern für ein wissenschaftliches Experiment gewinnen können und in einen Hochleistungsscanner gelegt. Die Kernspintomographie macht es möglich, detaillierte Landkarten des Gehirns zu erstellen und zu lokalisieren, wo besonders viel passiert. Anders als das Röntgen ist das Verfahren unbedenklich, so dass auch gesunde Probanden ohne Risiko untersucht werden können.
  
Schicht für Schicht wurde dabei das Gehirn der Teenager abgebildet. Durch den Vergleich mit vielen anderen Scans konnten die Wissenschaftler ermitteln, warum Jugendliche sich so anders und manchmal auch "unvernünftig" verhalten. Die entscheidende Erkenntnis, die die Forschung in Bezug auf die Pubertät erbracht hat, ist, dass sie länger dauert als bisher gedacht. Die Hirnreifungsprozesse dauern scheinbar vom 15. bis zum 25. Lebensjahr, so Professor Michael Schulte-Markwort vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf.
  
Gefühl und Verstand scheinen dabei in der Zeit der Reife nicht länger im Team zu arbeiten. In der Großhirnrinde, die anspruchsvollere Aufgaben steuert, werden neue Nerven- und Datenverbindungen gebaut. Am längsten halten die Arbeiten im Frontalhirn an, das wichtig für die Entscheidungsfindung ist. Die neuen Informationswege werden zunächst willkürlich vernetzt. Irgendwann aber lichtet sich das Chaos im Kopf wieder. Nervenbahnen, über die hektisch "gefunkt" wird, bleiben bestehen. Andere, auf denen kaum Daten übertragen werden, sterben ab. Und diese Prozesse dauern länger an, als man bisher dachte.
 


Der Bauch bestimmt den Rhythmus
  

In der Pubertät übernimmt das Gefühl das Kommando. Die jungen Wilden tun, was sie wollen, und sind partout nicht von dem zu überzeugen, was ihre Eltern für richtig halten. Der Bauch bestimmt den Rhythmus des Lebens. Die Hirnforscher glauben, dafür eine Erklärung gefunden zu haben: Die neuronale "Baustelle" in der Großhirnrinde ist nämlich nur ein Faktor, der das Verhalten von Teenagern erklärt. Ein stark erhöhtes Wachstum von Nervenzellen findet auch im Emotionszentrum tief im Inneren des Gehirns statt. Dort laufen die Prozesse noch rasanter ab, so dass das Zusammenspiel von Vernunft und Gefühl noch weiter aus der Balance gerät, am meisten im Alter von 14 bis 15 Jahren.
 
Im Hippocampus sitzt das Gedächtniszentrum für emotional aufgeladene Informationen, die in der Pubertät oft das Denken beherrschen. Bei Entscheidungen übernimmt die Amygdala, der Mandelkern (in der Abbildung rot), das Kommando, jene Instanz, die Instinktreaktionen steuert.
  
Die Wissenschaftler haben herausgefunden, dass bestimmte Nervenregionen früher reifen als andere. Belohnungsabhängige Hirnregionen reifen zum Beispiel früher als Regionen, die für die Handlungskontrolle zuständig sind. Das kann dazu führen, dass Jugendliche in emotional geladenen Situationen scheinbar irrationale Entscheidungen treffen und sich für die sofortige Belohnung entscheiden. Sie handeln generell impulsiver und denken nicht über das Risiko nach. Zu keinem anderen Zeitpunkt im Leben ist die Verletzungsgefahr daher höher als in der Pubertät. Vor allem Jungen müssen ´von einer höheren Klippe springen´, um den gleichen Kick wie Erwachsene zu spüren.
 
Mädchen entwickeln sich nicht genauso wie die Jungen. Das Aachener Team hat daher auch versucht herauszufinden, warum Mädchen anders als Jungen "ticken". Die Hirnscans haben dabei auch den Beweis dafür geliefert, dass das Gehirn in der Pubertät auch durch die Flut der Sexualhormone gesteuert wird. Bei Mädchen regt das Östrogen das Wachstum im Hippocampus an, dem emotionalen Gedächtnis des Gehirns. Das macht sie anfällig für Depressionen. Das männliche Testosteron hingegen lässt den "Mandelkern" wachsen, der "Bauchentscheidungen" steuert.
 


Der kleine Unterschied - Wie Jungen und Mädchen in der Pubertät ticken
  

Bei Mädchen prägen extreme Stimmungen das Bild in der Pubertät. Jungen dagegen suchen den ultimativen Kick durch Abenteuer, bei denen sie ihre Grenzen austesten. Forscher haben die Hirnscans von Jungen und Mädchen verglichen und sind dabei zu faszinierenden Ergebnissen gekommen.
Wissenschaftler wie die Kinder- und Jugendpsychiaterin Professor Beate Herpetz-Dahlmann von der Uniklinik Aachen wissen schon lange: Das Gehirnwachstum bei Männern und Frauen verläuft zu unterschiedlichen Zeitpunkten. Das männliche Gehirn hat sein Wachstum erst zu einem späteren Zeitpunkt abgeschlossen als das weibliche. Das erklärt zum Teil auch, dass bestimmte Reaktionen bei Jungen impulsiver oder noch weniger kontrolliert sind, als das bei Mädchen der Fall ist.
 
Auf diese Tatsache ist eventuell auch ein Jugendphänomen zurückzuführen, das zuerst in England auftauchte und jetzt auch in Deutschland grassiert: das "Kampftrinken" oder "Komasaufen". Fast immer sind es junge Männer, quer durch alle Schichten, die sich dabei messen. Es sind pubertäre Exzesse, die tödlich enden können wie illegale Autorennen, S-Bahn-Surfen und andere lebensgefährliche Mutproben. Das "Kampftrinken" lässt die Gefühle eskalieren. Es erhöht die Risikobereitschaft und steigert die Aggressivität.
 
Professor Michael Schulte-Markwort vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf erklärt sich dieses Verhalten daraus, dass die Jugendlichen "ganz besonders auf der Suche nach Grenzen und auf der Suche nach Risiken" sind. Die Menge Alkohol, die man verträgt, drückt dabei Männlichkeit und Mut aus.
Auch vom virtuellen Abenteuer in Computerspielen lassen sich Jungen leichter infizieren als Mädchen - bis sie schlimmstenfalls nicht mehr davon loskommen und es zur Spielsucht wird. Die Jungen sind nach Schulte-Markwort besonders anfällig, weil bestimmte Hirnstrukturen bei ihnen anders ausgebildet sind und sie sozusagen ein anderes Belohnungssystem erfahren - nämlich durch technische Bereiche, durch technische Spiele wie auch durch Autofahren.
 
Mädchen haben es aber ebenso schwer in der Pubertät. Sie orientieren sich häufig am Schönheitsideal superschlanker Models und stören sich an den eigenen, femininer werdenden Attributen. Doch ist der Schlankheitskult tatsächlich eine Ursache für Essstörungen? Und was hat das mit dem weiblichen Gehirn zu tun? Hannah war 15 und mitten in der Pubertät, als sie immer dünner wurde - ohne zu merken, dass ihr Körper irgendwann zerbrechlicher war als eine Schaufensterpuppe. Sie fand zunächst Anerkennung für ihre schlanke Figur und war stolz. Doch die Arbeit am eigenen Körper wurde zu einer Sucht, die sich heimlich in ihr Leben schlich. Immer zwanghafter kompensierte sie das Nicht-Essen mit Sport. Diagnose: Magersucht
 
Das Aachener Team um Professor Beate Herpetz-Dahlmann forscht seit Jahren über Essstörungen. Der Blick ins Gehirn von jungen Mädchen hat die Experten dabei auf völlig neue Spuren gebracht. Im Kopf von Magersüchtigen passiert mehr, als man bislang wusste. Welche Rolle aber spielt der Schlankheitskult beim Zwang zum Hungern? Professor Herpertz-Dahlmann glaubt, dass eine Veranlagung zur Magersucht in Verbindung mit dem Schlankheitskult dazu führen könnte, dass sich bei einem Mädchen eine Magersucht entwickelt. Der Schlüssel zum tieferen Verständnis der Magersucht ist das Sexualhormon Östrogen. Es regt bei Mädchen das Wachstum im Hippocampus an, dem emotionalen Gedächtnis des Gehirns. Der Hippocampus ist ein wichtiges Zentrum, das auch bei der Entstehung von Depressionen eine Rolle spielt. Das erklärt die Stimmungsschwankungen, die Mädchen auch in der ganz normalen Pubertät erleben. Sinkt der Östrogenspiegel, geraten die neuronalen Reifungsprozesse aus der Balance.
 
Die Suche nach dem neuen Ich kann in ganz individuelle psychische Krisen münden, aus denen Jugendliche sich nicht allein befreien können. Manche ritzen sich dazu auch Signale in die Haut, um im Schmerz Erleichterung zu finden. Wenn sie sich vom Leben zurückziehen und sagen, dass sie sich traurig fühlen, verzweifelt sind und nicht mehr leben wollen, so senden sie damit deutliche Alarmzeichen aus. Solche Depressionen sind gegen pubertäre Stimmungsschwankungen deutlich abzugrenzen.
 


   
[Quelle: ZDF - Abenteuer Wissen . Bilder: ZDF / dpa]  

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